Wunder gibt es immer wieder…

Die Auswertungen der Cochrane Datenbank sind nicht gerade berühmt für ihre Offenheit und Ausgewogenheit gegenüber alternativen Heilverfahren im Allgemeinen und der Chinesischen Medizin im Besonderen. Dort zählen im Wesentlichen nur biomathematische Größen wie Fallzahl, Signifikanz, Studienpower, Verblindung und Randomisierung. Studien werden anhand dieser und weiterer ähnlicher Parameter kategorisiert und miteinander verglichen. Da zählt die Größe der Studie in der Regel immer mehr als die therapeutische Qualifizierung der Therapeuten. Insbesondere bei nicht-standardisierbaren Therapiefaktoren wie dem Geschick eines Akupunkteurs oder der intelligenten Auswahl eines Kräutertherapeuten versagten die biomathematischen Werkzeuge regelmäßig. Im Zweifelsfall wurden weitere Studien gefordert, wenn die Studienvergleiche und Metanalysen nicht der Lehrmeinung entsprachen. Die Masse macht es eben. Und was nicht sein kann, das ist eben nicht… Es wird das hohe Lied vom Goldenen Kalb, äh, dem Goldstandard „randomisierte kontrollierte Doppelblindstudie“ angestimmt.
Um so mehr verwundert ein Mitte Oktober 2007 veröffentlichtes Review über die Behandlung der Dysmenorrhoe (krampfartige Menstruationsbeschwerden) einer australischen Forschergruppe (Zhu et al., Cochrane Database Syst Rev. 2007 Oct 17;(4):CD005288). Sie verglichen 39 Studien (ausnahmslos randomisierte, kontrollierte Studien) an 3475 Frauen miteinander, die die Menstruationsbeschwerden mit Medikamenten (NSAIDs, orale Kontrazeptiva), Wärmeapplikationen, Akupunktur oder chinesischen Kräutern behandelt haben bzw. in entsprechenden Vergleichsgruppen Placebo einsetzten. Dabei war die Chinesische Phytotherapie nicht nur am effektivsten in der Behandlung der akuten Schmerzen, sondern sie verhinderte als einziges Therapieverfahren auch das Neuauftreten der Beschwerden über mehr als 3 Monate.
Diese Ergebnisse sind um so bedeutender, da es sich hier um einen Massenmarkt handelt: Ungefähr die Hälfte aller Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter klagen über Dysmenorrhoe. Bei Teenagern sind es sogar 60-85%. Die kumulativen gesellschaftlichen Auswirkungen sollten aufgrund von wiederholten Fehlzeiten in Beruf und Schule enorm sein. Dabei hat die Schulmedizin trotz jahrzehntelanger und millionenschwerer High-Tech-Forschung immer noch keine definitive Antwort auf die Frage nach der Ursache der Beschwerden. Vermutet wird ein Ungleichgewicht ovarialer Hormone. Warum so ein Ungleichgewicht bei der einen Frau auftritt und bei einer anderen nicht, ist völlig ungeklärt. Eine solche Klärung ist aus verschiedenen Gründen wenig wahrscheinlich: Einerseits dürfte die Anzahl individueller Faktoren sehr hoch sein. Andererseits ist die aktuell vorherrschende medikamentöse Symptomkontrolle mit NSAIDs und oralen Hormonpräparaten für die „forschende“ Pharmaindustrie hoch lohnenswert. Doch immer mehr Frauen suchen nach Alternativen zu synthetischen Medikamenten, da diese neben Unverträglichkeiten und Kontraindikationen auch noch eine Versagensquote von 20-25% aufweisen.

Der Chinesischen Medizin gelingt dabei das Kunststück, eine Volkskrankheit individuell zu behandeln. In den im genannten Review untersuchten Studien wurden dabei im Wesentlichen qi- und xue-regulierende, wärmende sowie Leber- und Nieren-tonisierende Kräuter eingesetzt. Am häufigsten eingesetzt wurden Angelica sinensis-Wurzel (danggui, 当归), Ligusticum chuanxiong-Wurzelstock (chuanxiong, 川芎), Paeonia rubra-Wurzel (chishaoyao, 赤芍药), Paeonia lactiflora -Wurzel (baishao, 白芍), Herba leonuri (yimucao, 益母草), Fenchel-Früchte (huixiang, 茴香), Wurzelstock von Cyperus rotundus (xiangfu, 香附), Süßholzwurzel (gancao,甘草) und Zimtrinde (rougui, 肉桂).

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